14. Juni bis 31. Juli 2019
Japanisches Kulturinstitut Universitätsstraße 98 50674 Köln
Auszug aus dem begleitenden Text "Bilder und Zeichen":
Die Künstler Christian Schellenberger und Hayahisa Tomiyasu umkreisen in ihren auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Arbeiten ähnliche Themen. Beide lassen ihre Arbeitsweise stark von äußeren Einflüssen bestimmen und folgen aleatorischen Prinzipien. Alltägliches und Zufälliges wird von beiden Künstlern genutzt, um einen konzeptuellen Rahmen zu begründen. Beide lassen sich auf den produktiven Widerspruch ein, den Zufall zu planen und die Realität als Erfindung zu beschreiben. Ihre Erzählungen kreisen um einen banalen, alltäglichen und unscheinbaren Kern (...)
Die Dialogausstellung „Toller Himmel“ bringt beide Künstler zusammen. Beide umkreisen in ihrer Kunst eine Art leeren Kern, denn die Arbeiten wollen keineswegs „Spiegelbild der Welt“ sein, ihr Innerstes ist konstruiert, gleichermaßen fiktiv und projiziert. Die Bilder entstehen aus einer Art Meditation heraus, die zunächst die sichtbare Welt teilweise ausklammert oder umgeht, in keinem Falle aber direkt Kontakt zu ihr aufnimmt. Immer schieben die beiden Künstler eine Idee, eine Konzeption zwischen sich und die Welt. Von daher sind die Zeichnungen von Schellenberger das Gegenteil einer akademisch-zeichnerischen (Re-)Konstruktion von Räumen, Gebäuden oder Landschaften. Vielmehr definieren sie „Sehen“ als dynamischen Prozess der Erfahrung (...)
Auch die Bilder von Tomiyasu sind gegenstandslos, zumindest in dem Sinne, dass sie sich einer einfachen fotografischen Diktion von „Ding-Welt-Bedeutung“ entziehen. Wenn er mehrere hundertmal versucht, einen Vogel im Flug so zu fotografieren, dass er nicht wie ein Vogel aussieht, aber dennoch im Bild genau dort erscheint, wo ein Vogel sein müsste oder könnte, zieht er uns auf das dünne Eis medialer Erfahrung, die immer mit Täuschung und Projektion, mit Annahmen und Irrungen zu tun hat. Denn wir sehen dann einen Vogel, wenn wir ihn sehen wollen oder sehen sollen. Gleichzeitig überdehnt er immer wieder die eigene Wahrnehmung, um eine absurde Formensprache zu erzeugen. Dies geschieht bei Tomiyasu mit konzeptueller Entschlossenheit und Konsequenz (...)
© Maik Schlüter, Juni 2019