01.09. – 22.10.2017
Eröffnung am Freitag, 01.09. um 19.00 Uhr
Begrüßung und Einführung: Ricus Aschemann und Maik Schlüter
Scope Galerie Calenbergerstr. 12 30169 Hannover
Ramya
Die niederländische Fotografin Petra Stavast (*1977) zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung in der Scope Galerie Hannover eine fotografische Installation, die unterschiedliche Medien und Quellen vereint: Porträts, Fotografien aus einem Privatarchiv, biografische Texte und Notizen, Interviews und Videostills.
Petra Stavast folgt dabei der Biografie einer älteren Frau, die sich Ramya nannte, und die Petra Stavast über eine zufällige Nachbarschaft in ihrem Wohnhaus kennenlernte. Ramya war in den Achtzigerjahren aktiv in der Sekte des damals international bekannten Gurus Bhagwan. Als Anhängerin seiner Philosophie und Lebensführung ging sie nach Oregon (USA). 1981 war Bhagwan aus Indien ausgewiesen worden und ließ sich daraufhin mit seiner Gemeinde im US-Bundesstaat nieder. Die Sannyasins stampften hier eine komplette Stadt aus dem Boden: Rajneeshpuram mit Stausee, Restaurants, Schule, Einkaufszentrum, Versorgungsbetrieben, einem Flugplatz und einer eigenen Fluglinie.
Petra Stavast porträtierte Ramya Jahre nach ihrem Aufenthalt in Oregon und ihrer aktiven Anhängerschaft. Neben den eindringlichen Porträts von Ramya zeigt Stavast auch Bilder und Videostills aus dem Archiv von Ramya. Interviews und Notizen zeigen jenseits von Vorurteilen eine komplexe Persönlichkeit, die zwischen Sinnsuche, Selbstkritik, geistiger Freiheit und mentaler Unterwerfung hin - und hergerissen war.
Petra Stavast zeichnet dabei auch eine fragmentarische Geschichte der Medien und Bilder, die die Wahrnehmung der Sekte in der Öffentlichkeit prägten. Die Sektenmitglieder waren durch die roten Gewänder und die Mala, eine Kette aus Holzperlen mit einem Bild des Meisters, für jeden erkennbar. Individuen wurden so zu Anhängern, der Guru zum Herrscher, die Idee zur Ideologie. In den Bildern von Stavast treten diese Widersprüche zutage.
Text: Maik Schlüter, 2017